Deutsche (Außenlande-)Meisterschaften der Junioren 2010

(David Neuber) Im Januar bekam ich die frohe Botschaft – der Förderverein NRW war wieder bereit mich zu unterstützen. Ich bekam den Discus 2c für die DMJ in Musbach zugesprochen. Meine Freude war natürlich dementsprechend groß!

Im Juni bekam ich den Discus dann für die erste Trainingseinheit von ca. 3 Wochen mit nach Radevormwald. Dort begann ich natürlich direkt mit den ersten Trainingsflügen – na gut, der erste Flug erfolgte dann mit 18m, anstelle der Standardklassekonfiguration, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Bei niedriger Basis und Warmluftadvektion ging es dann Richtung Aachen, wo mich die überragende Warmluft wieder zum Umkehren drängte. Die Steigwerte ließen sehr schnell kräftig nach, sodass die 18m eindeutig die einzig sinnvolle Entscheidung gewesen sind. Anders hätte es wohl nicht mehr gereicht.

Am darauffolgenden Wochenende ging es dann endlich mit dem guten Wetter weiter. Samstags war ein schönes 500er drin und sonntags eigentlich auch – nur habe ich es dort etwas weit in das von Südwesten herannahende schlechtere Wetter gewagt; sodass der Flug dann nach 240km mit einer Außenlandung auf dem Flugtag in Schameder endete – wenigstens wurde es da nicht langweilig.

Für dieses weniger schöne Ereignis kam am darauffolgenden Wochenende ein umso schöneres. Das Wetter war zwar nicht gerade der Hammer, aber es reichte um endlich mal wieder aus dem Sauerland nach Osten raus zu kommen. So ging es dann bis kurz vor Fulda und wieder zurück, sodass auch dieses Mal wieder knapp 500 km zusammenkamen.

Hiernach musste ich den Flieger erst einmal wieder abgeben, da er auf einer Quali benötigt wurde.

Pünktlich vor der DMJ bekam ich den Discus dann wieder, nur das Wetter wollte leider nicht. So habe ich mit einem treuen Helfer die Zeit genutzt und den Flieger für die DMJ auf Hochglanz gebracht. Tags darauf bot sich dann doch noch eine Trainingsmöglichkeit. Die Steigwerte waren recht gut und die Basis angenehm. Ich nutzte die Gelegenheit um eine Racing Task auszuschreiben.

DMJ2010-1Doch an der ersten Wende (Düren) guckte ich dann erstmal blöd aus der Wäsche. Über Noervenich war zu sehen, dass die Eifel extrem breitläuft und nur noch sehr wenig Sonneneinstrahlung zuließ. Optimistisch dachte ich mir dann „Heulen bringt nichts, auf dem Wettbewerb musst du da auch durch“. Gesagt getan und Wende umrundet. War super – aber wäre noch schöner gewesen, wenn dann auch nochmal irgendwo was rausgekommen wäre – so lag ich dann 15 km nach der Wende auf einem Acker – So viel zum Thema „Flugzeug auf Hochglanz bringen“…

 


8.8.2010 – Endlich geht es los nach Musbach. Der Flieger ist eingepackt, das Auto platzt aus allen Nähten – Wettbewerb halt.

In Musbach angekommen ging es dann ans Aufbauen, Anmelden und zur technischen Kontrolle.

9.8.2010 – Erster Trainingstag – so hoffte ich zumindest. Das Wetter war gut – also ging es ans Aufbauen, um dann rechtzeitig zum Wägetermin zu erscheinen. Nur leider gab es da eine kleine Komplikation… Das Ventil am Hauptfahrwerk war undicht. Also Fehlersuche. Wie sich herausstellte hat sich dort Dreck vom vorangegangenen Acker versteckt. Gut – Wägetermin verpasst, mittlerweile war dann auch schon 16 Uhr durch, also hinten anstellen…

10.8.2010 – Erster Trainingstag (die zweite) – Das Wetter war sehr mäßig und es gab eine AAT von der ich nicht sonderlich überzeugt war; aber warum nicht mal ausprobieren. Die Aufgabe gestaltete sich als schwierig, aber mit etwas Glück machbar, sodass ich rum kam.

11.8.2010 – Erster Wertungstag – Kennt ihr das? Man kommt morgens aus dem Zelt, es ist schwül, einige Cirren in der Luft…

Der erste Gedanke war: Na mal sehen was der Tag wohl so bringt. Nachdem die Startbereitschaft einige Male verschoben wurde ging es los. Es war blau/grau – also super Wetter. Bei Steigwerten von bis zu 0.5 m/s musste man sich schon echt gut festhalten – und der erste Schenkel, einfach ein Traum. Gut ein Alptraum, aber immerhin ein Traum. Bis auf die „ALB“ lagen alle draußen, die meisten davon zwischen Musbach und Winzeln – somit war der Tag undgültig.

13.8.2010 – Zweiter Wertungstag – 321km Racing. Zuerst in den Süden und dann in den Kraichgau. Das Wetter machte einen seltsamen Eindruck. Basis niedrig, die Wolken verwaschen, alles nicht sonderlich toll. Am Abflug warteten wir nicht allzu lange. Zur ersten Wende mussten wir einen ziemlichen Umweg fliegen und im Funk ackerten schon die ersten – nicht gerade motivierend. Die Wende konnte man aber nehmen. Dann ging es in den Norden und über dem Schwarzwald war es alles andere als gemütlich. Auf dem Weg brauchte man ständig Blick auf die Landefelder. Im Kraichgau war das Wetter dann ersteinmal brauchbarer, so dass es vorwärts ging.

DMJ2010-2

Auf dem Heimweg bot sich allerdings ein unerfreulicheres Bild – der Schwarzwald lief ordentlich breit, so dass ich dann versuchte so weit im Osten wie möglich zu bleiben. Leider war es sehr knapp und ich hatte dann doch etwas viel Respekt davor, einfach mal mit 400m unterm Flügel den Wald ohne Felder entlang zu fliegen.

Leider hatte dies dann die Außenlandung ca. 20km vor der Ziellinie zur Folge. Deprimiert rief ich dann meine Mannschaft an, welche mir mitteilte, dass mittlerweile knappe 2/3 draußen liegen. „Naja“, dachte ich mir „wenigstens etwas“.

 

14.8.2010 – Dritter Wertungstag – 286km Racing. Zur Abwechslung gab es auch mal niedrige Basis - ohne Steigwerte… Zuerst ging es den ein Stück den Schwarzwald hoch. Bei Basishöhen von weniger als 600m GND alles andere als entspannt. Der Blick lag ständig auf die Außenlandefelder, welche nur knapp erreichbar waren. Mit einem gefühlten Puls von 180 wurde dann die erste Wende genommen und dieselbe tragende Linie wieder zurück geflogen. Nächstes Ziel war, über einen kleinen Schlenker, Grabenstetten auf der Albkante. Auf dem Weg dorthin wurde das Wetter zunehmend schlechter, da uns eine ausgeprägte Abschirmung ordentlich zu schaffen machte. Die zahlreichen Außenlandemeldungen im Funk, waren dort auch nicht sonderlich motivierend. Wir (D-KADER NRW) entschlossen uns möglichst gut zusammenzufliegen. Wir sind immer nördlich der Albkante geblieben, da die Basis auf der Alb zum Teil nur knappe 250m GND betrug. Nur blöd dass Stuttgart im Weg ist. Der Luftraum war zwar bis zum Nachmittag für uns gebucht, nur aufgrund des Wetters, war er leider schon wieder dicht als wir da waren. So wurde unsere Arbeitshöhe noch weiter eingeschränkt. Kurz vor Tübingen zerfiel der Pulk so allmählich, da man sich nicht so ganz einig werden konnte. An der Albkannte sah man wieder Einige Ackern und noch mehr im Hangflug von Rippe zu Rippe hüpfen. Ich schaute mir auch so allmählich die Äcker für den Rückflug an und musste feststellen, dass dort nicht viel zu holen war. Mit Glück konnte ich dann in die Wende hinein gleiten und ließ mich dann an die Albkannte fallen um im Hangflug wieder hochzukommen. Durch Glück erwischte ich auf Höhe der Wende einen passablen Bart, der durch den Hangwind verstärkt wurde. Nur leider brachte das nicht viel, da der Luftraum, der einst für uns reserviert war – nur nicht mehr zu so später Stunde  - im Weg war. Nach einigem hin und her entschied ich dann, dass der Rückweg, mit den übelst bescheidenen Äckern, mir zu riskant erschien und wollte nicht für 50 Punkte den Flieger riskieren. So bin ich dann in Grabenstetten eingeschlagen, wo bereits einige andere lagen.

Als wir dann wieder zu Hause ankamen war mir klar, dass dies die richtige Entscheidung war – es lagen alle draußen und ich irgendwo im vorderen Mittelfeld.

19.8.2010 – Vierter Wertungstag – Nach einigen neutralisierten Tagen ging es endlich wieder los. Ausgeschrieben war eine AAT in den Odenwald und dann über das Rheintal zurück. Das Wetter war überraschend gut. Nach dem Start ging es auch bald an den Abflug. Der erste Schenkel lief ziemlich gut und ich freute mich schon auf einen guten Tag. Kurz vor dem Odenwald kam man dann einmal etwas tiefer und ich machte den Fehler und habe einen guten Bart nicht bis oben hin mitgenommen, da ich ihn unterwegs (bitte fragt mich nicht warum) irgendwie verloren hatte. Alles halb so wild, wenn ich dann nicht unter der Windscherung gehangen hätte. Diese Aktion hatte mir dann, den eigentlich recht guten, Schnitt versaut. An der Wende im Odenwald war ich dann aber wieder oben an und es ging gut vorwärts.

DMJ2010-3Nur kurz vor dem Schwarzwald ereilte mich dann wieder ein Déjà-vu vom zweiten Wertungstag. Am Einstieg war die Thermik wieder nahezu tot. Über Pforzheim konnte ich mir dann noch einen ganz schwachen (ca.0,2m) ausgraben, aber auch der half nicht weiter, so dass ich dann zur Außenlandung überging. Im Endanflug auf das Feld sah ich dann, dass ein Acker weiter schon fünf Flugzeuge lagen und habe dann den Anflug auf diesen Acker verlängert. Am Ende lagen wir dann mit sieben Flugzeugen in Pforzheim. Und wieder lag das halbe Feld draußen…

 

20.8.2010 – Fünfter Wertungstag – Zur Abwechslung gab’s auch mal wieder „interessantes“ Wetter. In der Startaufstellung waren wir alle nicht sonderlich überzeugt. Die Optik war komisch, die Basis anfangs niedrig und es lief immer wieder ordentlich breit. Und so begann das typische hin und her mit der Startbereitschaft, bis wir dann am Nachmittag doch starteten. Aufgabe war eine großzügig ausgelegte AAT. Erstes Wendegebiet war im Nordschwarzwald und das zweite an der Schweizer Grenze. Wir entschlossen uns recht früh los zu fliegen, da mittlerweile schon 15.00 Uhr durch war. An der Abfluglinie gelang es uns unentdeckt los zu zischen. Auf dem ersten Schenkel erwischten wir eine erstaunlich gute Linie mit ungeahnt guten Steigwerten (z.T. 4 m/s). Den ersten Wendesektor reizten wir dann bis zur Schwarzwaldkannte aus, dort viel die Basis dann zu stark ab. Auf dem zweiten Schenkel konnten wir unseren Schnitt, bis kurz vor Winzeln, halten. Dann begann der Spaß mit der breitgelaufenen Suppe und die Steigwerte ließen rasch nach und gingen schnell bis auf 0,8 m/s zurück. Kurz vor Erreichen des zweiten Wendegebietes sahen wir schon wieder die ersten Außenlander. Das Wendegebiet, um Donaueschingen, war großflächig breitgelaufen, sodass man eigentlich lieber umkehren würde, aber wir hatten noch einiges an Mindestzeit zu fliegen. So lutschten wir dann unseren halben Meter bis zum Ende aus und flogen vorsichtig ins Wendegebiet ein. Direkt an den breitgelaufenen Wolken, konnte man zum Teil leichte tragende Linien erwischen. Als wir diesen Bereich durchkreuzt hatten, wurde es dann aber doch langsam spannend. An einer Sonnenkannte konnte Max dann aber einen guten 2m/s Bart ausgraben, so dass wir wieder an die besseren Wolken rankamen. Wir folgen die Wende dann bis zur Schweizer Grenze aus. Auf dem Rückweg trennten Max, Tom und ich uns dann wieder und jeder versuchte seine Idee vom Heimweg. Das Wetter baute gegen Abend sehr sehr schnell ab, so dass der Endanflug dann noch mal ziemlich spannend wurde. Mittlerweile freute man sich auch über Steigwerte unter 0,5m/s…

Der Rechner sagte 50m Plus, noch ca. 30km zu fliegen und im direkten Endanflug nur schwer landbares Gebiet… Also dann erstmal vorsichtig weiter. Kurz vor der Pflichtwende kam dann doch noch der rettende halbe Meter, so dass man auch mal nach Hause kam. An diesem letzten Wertungstag lag ausnahmsweise nur ein Drittel draußen…

Was kann man zum Schluss sagen? Dieser Wettbewerb war sicherlich keine leichte Nummer und es gehörte immer wieder eine gute Portion Glück dazu, denn oftmals entschieden nur kleine Fenster über das Heimkommen. Aber dennoch muss man sagen, dass diejenigen die vorne lagen, es sich auch verdient haben; denn mit Glück alleine geht das auch nicht.

Im Großen und Ganzen war es ein Wettbewerb, bei dem die Organisation zum Teil leider zu wünschen übrig ließ, welcher aber dennoch interessante und wertvolle Erfahrungen zuließ.

Und wie lief es bei mir? – Ein Platz im hinteren Feld.

Naja, das Glück schien mir wohl nicht immer hold zu sein, aber dennoch war ich mit den Entscheidungen, die ich traf, überwiegend zufrieden. Und jedem Sportler sollte klar sein, dass man eben nicht immer gewinnen kann…

Aber dafür kann man immer Wertvolles dazulernen und an seinen Erfahrungen anknüpfen.

Nach dem Wettbewerb ging es dann wieder nach Hause, in der Hoffnung noch ein paar gute Augusttage zu erwischen. Und dieser Tag kam auch – mit 18m….

Es ging zwar erst spät los (14.00) aber dafür waren die Steigwerte jenseits von gut und böse. Der Wind blies stramm aus Westen mit 50km/h. Eigentlich sollte man meinen, dass man dann auch gegen den Wind fliegt, hätte ich auch gerne getan, nur leider war nach 20km Feierabend, sodass ich dann auf Ostkurs ging. Bis Brilon war es zum Teil recht anspruchsvoll, da man im Sauerland ordentlich durchgeschüttelt wurde. Eigentlich war ich schon am überlegen umzukehren, aber diese Aufreihung….

Wer da „nein“ gesagt hätte, dem hätte man sofort die Lizenz abnehmen sollen. Ich entschied mich also weiterzufliegen. Die Basis stieg kräftig an (2.000m) und es ging stetig geradeaus mit Geschwindigkeiten, von teilweise über 200km/h. Als nach 20km immer noch kein Ende in Sicht war, war mir klar, dass es eine Konvergenz gewesen seien musste. Ich wusste zwar, dass der Heimweg sicherlich sportlich werden würde, wenn ich jetzt nicht umdrehen würde, aber wann hat man schon mal diese Gelegenheit???

Ich entschloss mich also weiterzufliegen, bis hinter Göttingen. Nach knappen 100km Konvergenz, drehte ich dann ca. kurz nach 16.00Uhr wieder um, um die Konvergenz zurück zu reiten. Wäre super gewesen, wenn sie nicht nur bis westlich Kassel gegangen wäre. Da war dann leider Feierabend mit der Konvergenz und nun ging es gegen 50km/h Wind und abbauendem Wetter nach Hause zu kommen. Die Steigwerte gingen mittlerweile bis auf unter 1m/s zurück und das Lee des Sauerlandes tat sein Übriges. Über Mengeringhausen probierte ich dann noch ca. 1 Stunde lang wieder weg zu kommen, aber das was ich an Höhe gewann, zerstörte der Windversatz rasch wieder. Gegen 18.00 Uhr und noch 118km auf Rade, gab ich dann endlich auf und schlug in Mengeringhausen ein. Als ich dort anflog dachte ich mir „Hm… war ja abzusehen“, aber wenn ich an die Konvergenz denke, bereue ich die Entscheidung kein Stück. Es war einfach ein geiles Erlebnis. Und zu allem Überfluss war in Mengeringhausen noch eine kleine Fete, so dass es auch nicht langweilig wurde und es kamen ja immerhin doch noch 350km bei rum.

Abschließend möchte ich mich zunächst bei denjenigen entschuldigen, die diesen Bericht bis zum Ende gelesen haben. Tut mir wirklich leid, dass ich Euch so viele Zeilen zumuten musste, aber es war einfach mal wieder eine unvergessliche Zeit mit der NRW; mit zahlreichen Eindrücken und Erlebnissen.

Aber vor allem möchte ich mich nochmal herzlich für die geniale Förderrung bedanken!

Nun bleibt mir nur noch zu sagen:“If they go, then I go…“ – Wer bei der DMJ dabei war weiß was ich meine ;-)

 

David Neuber