31. Internationaler Hockenheimwettbewerb 2009
(Nils Deimel) Nach der Übergabe des Discus2c, der zuvor während des D-Kader-Trainings in St. Auban geflogen wurde, hatte ich vor Beginn des Hockenheimwettbewerbs noch 5 Tage Zeit um mich mit dem Flugzeug vertraut zu machen. Nach zwei Windenstarts fühlte ich mich direkt wohl in diesem wunderschönen Flugzeug und war bereit für den ersten Überlandflug mit dem Discus.

Leider spielte das Wetter zunächst nicht mit und das Einfliegen beschränkte sich somit
zunächst auf Trockenübungen am Boden in Form eines Studiums der Handbücher der
umfangreichen Instrumentierung.
Zunächst gab es Probleme mit dem IPaq und das Flarm hatte auch keine Anzeige geliefert. Als mit dem IPaq alles geklärt war, sah es den nächsten Tag endlich nach einer Auflockerung der 8/8 Bedeckung aus. Ich nutzte das Wetter, flog eine kleine Rheintal-Rallye und bin dann auf dem Flugplatz Walldorf gelandet, wo die drei Jungs von Butterfly-Avionics beheimatet sind. Hilfsbereit wurde dann das Problem mit dem nichtvorhandenen Flarm-Empfang behoben und somit konnte ich nun endlich mit dem Gefühl einer funktionierenden Instrumentierung und ein erstklassiges Flugzeug zur Verfügung zu haben nach Hockenheim aufbrechen.
Der 31. Hockenheimwettbewerb, 18m-Klasse 1. Wertungstag
Noch vor der Abfluglinie hatte mein IPaq plötzlich keine GPS-Quelle mehr, der Volkslogger war tot und ich hatte keine programmierte Aufgabe und kein Moving-Map. Mit Hilfe meines Teampartners und Cousins Sören Nölke konnte ich die Aufgabe trotzdem erfolgreich beenden, auch wenn der Flug dadurch alles andere als stressfrei war. Mit dem Flarm als Backup konnte ich dann sogar einen Null-Punkte-Tag vermeiden.


2. Wertungstag
Mein schweizer „Nachbar“ auf dem Flugplatz konnte das Problem am nächsten Morgen
beheben, da er die gleiche Halterung für den Volkslogger verwendete und mit einem
Multimeter eine Störung der Spannung erkannte. Somit konnte ich nun endlich wieder
optimistisch der bevorstehenden Tagesaufgabe entgegentreten.
Diese führte zunächst nach St.Georgen im Schwarzwald, dann nach Bretten, Kupferzell und zurück, insgesamt knapp 400 km. Der Einstieg in den Schwarzwald über Bretten und an Pforzheim vorbei war schwierig aber nachdem wir im Schwarzwald waren begrüßten uns wunderschöne Wolkenaufreihungen und eine Basis von 2900m MSL. Der Schwarzwaldschenkel war somit kein Problem mehr. Als wir aus dem Schwarzwald
herausflogen und mit Bretten auch die zweite Wende umrundet hatten war klar, dass der Flug höchstens wegen eines zu frühen Thermikendes nicht zurück nach Hockenheim führen würde.
Die Thermik über dem Kraftwerk Neckarwestheim war jedoch zuverlässig. Als sich dabei mein Außenthermometer stetig der Null-Grad Grenze näherte und ich daher das gesamte Wasser herausgelassen habe konnte ich den Einfluss der hohen Flächenbelastung während des lang gestreckten Endanfluges im direkten Vergleich mit den anderen Piloten beobachten.


3. Wertungstag

Wieder einmal ging es bei der den gesamten Wettbewerbszeitraum dauernden Wetterlage erst spät und teilweise mühsam im Rheintal nach oben. Der Odenwald sah bereits hervorragend entwickelt aus. Der Flug lief eigentlich ohne Schwierigkeiten. Als abends die Wertungslisten aushingen waren wir jedoch verwundert weshalb wir nur einen 99er Schnitt erflogen hatten.
Ein Blick zusammen mit dem Auswerter auf den Auswertungscomputer machte dann klar: Nach dem mühsamen Kämpfen um Höhe vor dem Abflug hatten wir im IPaq bei hoher Zoomstufe die Abfluglinie mit einer ebenfalls roten Strasse verwechselt, die 500m weiter Richtung 1. Wende gelegen war. Konsequenz: 20 Minuten verloren und anstatt eines 115er Schnitts leider nur ein 99er.


4. Wertungstag
Aufgrund der labil geschichteten Luft an diesem Tag und der damit verbundenen
Gewitterneigung wurde eine AAT Aufgabe ausgeschrieben. Eine riesige Gewitterwolke am südwestlichen Rand des Odenwalds machte sich durch ihre absaugende Wirkung bemerkbar und somit kamen wir dem Erdboden schnell näher.
Hochkonzentriert hatten wir die Geländemerkmale nach möglichen Ablösekanten und
Thermikauslösern abgescannt, leider ohne Erfolg. In 200m über Grund angekommen habe ich dann die Wasserhähne geöffnet und nach einem zunächst zähen Nullschieber einen schwachen Bart erwischt. Sören hatte in der Zeit über einem Steinbruch etwas weiter hinten, über dem ich ein paar Minuten zuvor keine Thermik gefunden hatte einen auch erst zähen dann aber kräftigen Bart erwischt. Er war ein wenig höher, konnte das Wasser drin behalten und war durch den guten Bart gut 400m über mir. Wir haben dann beschlossen, dass wir getrennt weiterfliegen, einmal aufgrund der großen Höhendifferenz und auch wegen der unterschiedlichen Flächenbelastung. An der vorletzten Wende haben wir uns wieder getroffen, sind zusammen zur letzten Wende geflogen und dann habe ich im Endanflug wieder einmal gemerkt wie wichtig das Wasser ist!



5. und letzter Wertungstag
Aufgabenlänge: 423,4 km bei guter Wolkenthermik. Der Flugweg zur 1. Wende Hettstadt und 2. Wende Bad Kissingen verlief bei schönen Wolkenaufreihungen relativ gut. Beim Blick Richtung 3. Wende in den Süden wurde eigentlich klar, dass es zunehmend abtrocknet und man das Tempo herausnehmen sollte. Leider schalte ich nicht um und nehme schwächere Bärte zunächst nicht an. Nachdem ich die Wende Ellwangen umrundet habe wird klar, dass es jetzt verdammt schwierig wird heimzukommen, da die Thermik schnell nachlässt. Ergebnis war eine Außenlandung bei Sinsheim, 35 km vor dem Ziel. Diese wäre sicherlich vermeidbar gewesen, hätte ich vor der Wende Ellwangen auch schwächere Thermik bis oben mitgenommen.


Fazit

Gesamtplatz 7 und damit eine Platzierung im Mittelfeld.
Insgesamt habe ich wohl noch nie in so kurzer Zeit beim Fliegen so viel dazugelernt wie auf diesem Wettbewerb. Gerade weil ich mehrere taktische Fehler gemacht habe konnte ich daraus viele Erkenntnisse dazugewinnen.

Vielen Dank an dieser Stelle an den Förderverein für die Bereitstellung dieses erstklassigen Flugzeugs!



Nils Deimel